9 - Von einem Retter 1200 verfolgter Juden in der NS Zeit bis zum Geburtsort Jesu


Samstag, 01.02.2020
(Oliver Tamphal / Christopher Herzog)

- Von einem Retter 1200 verfolgter Juden in der NS Zeit bis zum Geburtsort Jesu -

Schabbat Schalom. Es ist Samstag, in Israel traditionell und religiös geprägt der Feiertag der Woche, wie bei uns der Sonntag für streng gläubige Christen. Es ist der siebte Tag im jüdischen Kalender. Schabbat beginnt freitags mit der Kabbalat-Schabbat-Zeremonie und endet am Samstagabend mit der Hawdalla-Zeremonie. Er ist der wichtigste Feiertag im Judentum. An diesem Tag darf keine Arbeit verrichtet oder etwas Neues erschaffen werden. Und somit wird auch leider der heutige Block ohne Bilder von jüdischen Heiligtümern gestaltet werden. Um doch ein gutes Bild der Situationen zu verschaffen, werden wir eine Beschreibung platzieren. Da Bethlehem zur Zeit muslimisch geprägt ist war es hier erlaubt Bilder und Aufnahmen zu machen.


Nach wirklich zehrenden und eindrucksvollen Tagen haben wir uns heute einen entspannten Einstieg erlaubt. Frühstück um 8 Uhr war nach den letzten Tagen Luxus. Auf dem Plan für heute stehen Kultur und Geschichte des Judentums. Was uns der Tag gebracht hat, hätte niemand erwartet.




Unserer erste Station war das Grab von Oskar Schindler – Unternehmer, aber vor allem der Retter von über 1200 Juden. Für uns als Menschen, welche womöglich Verantwortung für andere Menschen übernehmen werden, war diese Geschichte eine Möglichkeit zu reflektieren und uns klar zu machen, dass es im Leben darauf ankommt mit sich im Reinen zu sein. Dass es das Wert ist, das Streben danach möglichst immer das Richtige zu tun, genau das ist worauf wir uns konzentrieren sollten. Dabei zu scheitern oder auch mal eine Fehlentscheidung zu treffen ist nichts Verwerfliches solange wir uns selber damit identifizieren können. Oskar Schindler ist auf dem Friedhof des Berges Zion in Jerusalem begraben. 



Er wurde 1908 in Österreich-Ungarn geboren und verstarb 1974 am 9. Oktober in Hildesheim. Ihm wurde Posthum der zur Staatsgründung 1948 eingeführte, Titel „der Gerechte unter den Völkern“ verliehen. Dieser Titel wurde Einzelpersonen verliehen, welche im zweiten Weltkrieg unter Führung der Nationalsozialisten, ihr Leben einsetzten um Juden vor der Ermordung zu retten. Schindler rettet nicht nur 1200 Juden das Leben sondern auch den daraus entstehenden Nachkommen. Mittlerweile hat sich somit die Anzahl vervielfacht.



Unsere Blogeinträge der letzten Wochen waren von Ironie oder Witz gespickt. Sie spiegelten Situationen wieder, welche wir erlebt haben. Wir sind eine sehr offene und mit einem lockeren Mundwerk versehene Truppe. Doch dieser Moment hat uns alle erwischt. Niemand sagte etwas, jeder Einzelne, so schien es zumindest, dachte nach und versuchte seine Gedanken zu sammeln. Nach verlassen des Friedhofes waren alle wie ausgewechselt. Die flappsigen Sprüche blieben aus. Wir tauschten uns aus und stellten fest, dass man im Leben nicht immer den einfachen Weg gehen sollte. Der persönliche, individuelle und vielleicht auch oft der harte Weg ist viel wichtiger.


Situations-/ Bildbeschreibung:

12 Personen stehen schweigend und mit gesenktem Kopf vor einem Grab. Das Grab ist einfach. Auf dem Grabstein steht geschrieben:
Oskar Schindler *28. April 1908 / Ϯ 09. Oktober 1974

DER UNVERGESSLICHE LEBENSRETTER VON 1200 VERFOLGTEN JUDEN


 


Jüdisches Heiligtum und Holocaust gedenken an einem Ort

An keinem anderen Tag der Studienreise waren die Emotionen so vielfältig wie heute. Die Gedanken an den Holocaust sorgten für Gänsehaut, Sprachlosigkeit und tiefstes Mitgefühlt gefolgt von Traurigkeit. Am gleichen Ort entstand auch der Grundstein unserer Religion. Das Grab König Davids und der vermutliche Saal des letzten Abendmahls lagen unmittelbar neben einem Museum zum Gedenken an den Holocaust. Leider war dieses heute geschlossen. Jedoch alleine die Statue vor dem Museum vermittelte ein unvergessliches Bild. 

Situations/- Bildbeschreibung:


Eine ca. 1,2 m hohe Bronze Statue eines kleinen Mädchens mit Zöpfen, in der rechten Hand ein Teddy Bär, Links ein kleiner Koffer.


Klagemauer

Nach einer wirklich emotionalen ersten Station kamen wir an der Klagenauer an. Es herschte eine merkwürdige Stimmung. Die Gläubigen beteten gesangsähnlich und bewegten sich rhythmisch in Richtung der Klagemauer. Der Bereich der Klagemauer ist zweigeteilt: Frauen dürfen nur an einem für sie bestimmten Abschnitt an die Klagemauer treten. Neben Beten und Gesängen wurden Gebetsschriften in die Mauer gesteckt. Überall ließen sich Gebetsschriften finden. Als nicht Jude, ist eine Kopfbedeckung, die sogenannte Kippa vor dem Betreten zu tragen.


Die Klagemauer übersetzt „westliche Mauer“ wurde Ende der 60er Jahre durch Fallschirmjäger der isrealischen Luftwaffe im sechstage Krieg wieder in israelische Hand gebracht und wieder errichtet.
Hier treffen unzählige Religionen zur gleichen Zeit aufeinander.

Situations-/ Bildbeschreibung:

Eine ca. 50 Meter lange und 20 Meter hohe massive Mauer, in den fugen steckten "Zettel" und davor zwei geteilt durch einen Zaun, Männer und Frauen in Gebetskleidung.
 




Österreichisches Hospiz


Um etwas Abstand zu erhalten nahmen wir Kurs auf das österreichische Hospiz. Nach einem längeren Weg durch enge Gassen des arabischen Viertels der Altstadt Jerusalems, trafen wir mehrfach auf schwerbewaffnete Polizisten, die einen scharfen Blick auf die bewegende Menschenmenge hatten. Es vermittelte eine Art von Sicherheit und Unsicherheit zugleich. Wir wollten uns nicht vorstellen was passiert, wenn es zu einem Zwischenfall kommt.


Angekommen am Österreichischem Hospiz, zog es uns auf die Dachterrasse um einen wunderbaren Ausblick über Jerusalem zu bekommen. Anschließend gönnten wir uns im hauseigenen Wiener Kaffeehaus Sacher Torte und eine ruhige Minute um die Eindrücke zu verarbeiten.



Das Österreichische Hospiz wurde 1863 eröffnet uns ist das älteste nationale Pilgerhaus. Während des Israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948 wurde das Österreichische Hospiz als Feldlazarett umfunktioniert.

Während des Aufenthaltes, kamen wir mit einer zugezogenen Studentin in Kontakt. Sie empfahl uns mit dem Bus an das Grenzgebiet zu Bethlehem zu fahren, um dort am Checkpoint das Westjordanland zu betreten. Wir sollten einen Eindruck der momentanen Situation erhalten. Auch hier erwartete uns ein Eindruck, welchen wir nicht von uns weisen konnten.

Westjordanland und Betlehem

Nach einer ca. 30 minütigen Busfahrt erreichten wir den Checkpoint an der Schutzmauer zum Westjordanland. Hinter der Mauer erwartete uns Betlehem, welches der Verwaltung der Palästinenser unterliegt. Der Anblick vermittelte allen aus der sonst gut gelaunten Truppe einen flauen Magen. Wir sind eingefroren von der massiven und martialisch anmutenden Schutzmauer. Nach einem kurzen und einfachen Übergang in das Westjordanland wechselte das Bild des geordneten Israels zu bekannten Erlebnissen aus Jordanien und Ägypten. Es ist unglaublich, wie an diesem Grenzübergang zwei Welten aufeinander treffen.



An der Schutzmauer entlang erreichten wir das bekannte Museum -Walled of Hotel-. Dort haben wir künstlerische Darstellungen besichtigt, welche die Unterdrückung der Palästinenser durch die Israelis greifbar machen.
Mittlerweile sind wir so gut zu Fuß unterwegs, dass 10-15 km Fußmarsch für uns kein Problem sind. Gesagt, getan. Auf dem Weg zur Geburtskirche Jesu sprach uns ein Teehändler an. Nach gemeinsamer Skepsis gingen wir auf sein Angebot, einen laut Ihm "unvergesslichen Tee" trinken zu können, ein. Und er sollte Recht behalten, er servierte uns in einer Seitengasse einen Tee mit unzählingen Gewürzen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass unter anderem Markus Lanz und Conan O’Brien (late night show in USA) schon in den Genuß kamen.




Geburtsort Jesus

Nachdem wir uns durch den Tee aufgewärmt hatten, folgten wir weiter den Gassen in Bethlehem und kamen zur Geburtskirche von Jesus. Durch einen kleinen Eingang, das sogenannte "Demutstor",gelangten wir in die Kirche. Die Kirche war mit goldverzierten Mosaiken verkleidet und zeigte diverse Szenen aus den biblischen Erzählung zu Jesus. Letzendlich konnten wir die Geburtsgrotte Jesu betreten in der durch einen silbernen Stern die Stelle der Geburt Jesu markiert wurde. Es herrschte ein großer Andrang. Pilger rieben Tücher an dem Stern und küssten die Bodenplatte. 
Der Ort wirkte eher surreal und nicht greifbar.   




Spruch des Tages: Normalerweise würde hier ein Spruch stehen, welcher unsere Stimmung des Tages wiederspiegelt. Doch war es heute ein sehr bewegender Tag. Viele emotionale Eindrücke liesen uns eher nachdenklich den Tag erleben.

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