11 - Weg der Verantwortung

Sonntag, 02.02.2020
(Christopher Herzog / Oliver Tamphal)


Nach einem langen Abend mit Hopfensaft und voller tiefgründiger und verarbeitender Gespräche, traten wir heute die Reise zur Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem an.

Es war die letzte Nacht im Abrahams Hostel Jerusalem. Wir können den Aufenthalt mit dem einer Jugendherberge vergleichen. Wir haben die Betten selber bezogen und  unsere Teller selbst gespült. Das Hostel bietet den residierenden  Gästen ein umfangreiches Programm an,- von einer einfachen Kneipentour bis zum Erkunden Jerusalemer Sehenswürdigkeiten. Wir mochten die alternative Atmosphäre und können einen Aufenthalt definitiv empfehlen.

Die Stimmung in der Gruppe war übermüdet und leicht angespannt.  Die letzten Tage waren körperlich herausfordernd und die vielen unterschiedlichen Eindrücke erschöpfen unseren Geist allmählich. In wenigen Tagen wurden 2 Weltwunder besucht und der Grundstein unserer Religion erkundet. Nun gehen wir den Weg der Verantwortung und besuchen die Gedenkstätte der unmenschlichen Gräueltaten aus dem 2. Weltkrieg. Der Holocaust.

Yad Vashem

-Ein Zeitreise durch die Gräueltaten von Nazi Deutschland-

Mit betreten der Gedenkstätte, bzw. des Museums verstummte die gesamte Gruppe. Wir wussten, dass der nun folgende Weg uns an Tatsachen heranführen wird, die bestialisch und unerklärlich sind. Nachdem wir uns Audioguides besorgt hatten, löste sich dir Gruppe sehr schnell auf. Jeder einzelne brauchte seine persönliche Atmosphäre, um sich mit diesem Thema auseinander zu setzen und es in der Geschwindigkeit aufzunehmen wie es der eigene Geist noch verträgt.

Yad Vashem erinnert an Menschen und Familien mit Gefühlen und Träumen die auf einer unwirkliche Art und Weise grundlos und ohne Sinn ausgelöscht wurden. Hinter diesen Menschen stehen individuelle Geschichten und Yad Vashem hat sich verpflichtet diese zu ergründen und der Menschheit zugänglich zu machen. Das Gebäude ist keilförmig aus Beton gegoßen und in einen Berg gebaut. Der Weg innerhalb des Gebäudes führt durch 9 Galerien, welche die unterschiedlichen und unerklärlichen Taten von Nazi-Deutschland und die antisemitische Haltung in Form von Bildern, Gegenständen und Verfilmungen zeigen.




Frank Walther Steinmeier hielt als erster Bundespräsident eine Rede in Yad Vashem zum 75. Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers von Auschwitz am 27. Januar 1945. Er eröffnete seine 11 minütige Rede in Hebräisch und sprach dann in Englisch weiter, dabei wählte er bewusst nicht die Sprache der Täter,- deutsch.



Während der Begehung der einzelnen Galerien war das Gefühl deutsch zu sprechen so beklemmend. Die Gruppe unterhielt sich kaum oder nur sehr leise da das Gefühl der Verantwortung wie ein Schatten mit uns ging.
Die Bilder und Geschichten waren schockierend und zeigten ungefiltert, welche abscheulichen Taten begangen wurden. Das damalige technische Wissen wurde für die Tötung von 6.000.000 Juden  in industriellen Ermordungsanlagen eingesetzt. Die Konzentrationslager waren Tötungsfabriken.

Wasser als Zeichen des Lebens

Der letzte Raum zeigt die Gesichter der Opfer. Er ist der Ort in Yad Vashem welcher sich verpflichtet hat, dass der Holocaust und die Opfer niemals in Vergessenheit geraten dürfen.
Nach ca. 3 Stunden verließen wir das Gebäude und starrten uns an. Es stellte sich nicht die Frage wie jeder darüber denkt, sondern warum sowas nur passieren konnte. In der heutigen Zeit gibt es wieder unzählige Konflikte, aber niemals darf es zu einer Wiederholung kommen.





An dieser Stelle sei gesagt, dass Herr Lippold einen persönlichen Beitrag zu Yad Vashem verfasst.

Leider haben wir es heute wieder nicht geschafft den Tempelberg zu besichtigen, da die Öffnungszeit von 7 bis 11 Uhr nicht in unsere Planungen gepasst hat. Wir konnten trotzdem Erinnerungen mitnehmen, da wir am Tag zuvor den Felsendom vom österreichischen Hospiz sehen konnten.

Um 17 Uhr fuhren wir mit dem Bus von Jerusalem nach Haifa. Wir haben die fast 2 stündige Busfahrt genutzt, um die Erlebnisse von heute im Blog zusammen zu verfassen.
In Haifa angekommen, kamen wir relativ schnell mit Google Maps und den öffentlichen Verkehrsmitteln zu unserem Ziel, dem German Colony Guest House.  Das Guest House überrascht uns mit einer einzigartigen Architektur der Zimmer, aber dazu morgen mehr.



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