14 - Tel Aviv
05.02.2020
(von Michael Augustyniak)
Here we are. Tel Aviv. Die modernste Stadt im Nahen Osten. Ein Stück westlicher Welt zwischen Wüsten, Pyramiden, Kamelen, Kirchen und Synagogen.
(von Michael Augustyniak)
Here we are. Tel Aviv. Die modernste Stadt im Nahen Osten. Ein Stück westlicher Welt zwischen Wüsten, Pyramiden, Kamelen, Kirchen und Synagogen.
Aber fangen wir von vorne an:
Nach kurzer Ruhepause, die sich als Schlaf verkaufen wollte, ging es für fast alle pünktlich um 6:30 zum Treffpunkt. Unser Domizil in Haifa hat sich auch für unser Check-Out eine ganz besondere Schikane ausgedacht: Scheinbar ist hier noch nichts der westlichen Welt angekommen und Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Nach freundlicher Androhung der örtlichen Polizei haben wir unter Zuhilfenahme von Zeugen und Fotokameras die Transaktion bar abgeschlossen und konnten neuen Mutes die Reise gen Tel-Aviv Jaffa antreten. Das „Loch“ aus Haifa wird uns wohl länger in Erinnerung bleiben…
Am Bahnhof erkannten wir direkt einen für Studenten bekannten Reisebegleiter: die vertraute Regionalbahn aus dem Rheinland. Nach kurzer Verwirrung, „woher die denn jetzt herkommt“ konnte auch geklärt werden, dass die Bahn heute „von rechts“ einfährt.
Das Abrahams Hostel Tel-Aviv hat uns mit offenen Armen, warmen Frühstück und leckeren Getränken empfangen, sodass die Strapazen des Morgens auch schnell vergessen waren.
Schon waren wir auf dem Weg zum 1. Firmenbesuch des Tages: das Start-Up Roots. Aufgrund von höheren Mächten, dem Schicksal, der Fülle an öffentlichen Verkehrsmitteln und mehrfach vergebenen Straßennamen sollte es heute nicht stattfinden.
Es stellte nach mehreren Diskussionen mit öffentlichen Bus- und Taxifahrern heraus, dass Roots nicht innerhalb von 20 Minuten innerhalb der Stadt erreichbar ist, sondern 1,5 Stunden außerhalb von Tel-Aviv liegt. (Hätten die hier eindeutige Adressen, wäre das nicht passiert.) Schweren Herzens mussten wir für heute leider absagen, doch möchte an dieser Stelle ankündigen, dass sich mein Nachredner gerne am Freitag mit der Thematik der Agrarkultur auseinandersetzen wird.
Doch Tel-Aviv hat alles gegeben, um die betrübte Stimmung der Gruppe aufzuheitern: Nach leckerem Kaffee und Tee, sowie wundervollen Aussichten auf die Stadt und das Meer, peilten wir den Orangenen Suspendu, den hängenden Orangenbaum an. Das etwa 30 cm hohe über dem Boden hängende Denkmal, welches der Jaffa-Orange gewidmet ist, ist seit 1994 öffentlich ausgehängt und diente bereits Hunderttausenden Touristen als beliebtes Fotomotiv. Der Künstler will uns hier die Frage nach der Entwurzelung der Gesellschaft näherbringen und ob diese Krankheit nur eine aktuelle Erscheinung ist oder uns dauerhaft ändern soll.
Für die Beantwortung der tiefgründigen Fragen blieb leider keine Zeit, denn wie es das Schicksal wollte, kam uns Herr Uri Geller, Freizeitmentalist und Vollzeitartist, über den Weg gelaufen. Bekannt ist uns dieser aus Formaten wie „The next Uri Geller“.
Nach erstem Erstaunen, Liebesbekundungen sowie Ohnmachtsanfällen nahm uns Herr Geller, der aktuell in Tel-Aviv ansässig ist, auf einen übersinnlichen Exkurs. Anstatt Löffel konnten wir heute bestaunen, wie eine Schekel-Münze mithilfe seiner Gedanken verbiegen und mithilfe eines Stiftes signieren konnte. Doch nicht nur das: Selbst eine Armbanduhr von einer „Freiwilligen“ konnte kurzerhand mithilfe von Willenskraft um etwa eine Stunde zurückgedreht werden. Verständlich, dass sich die Menge in einem Ekstase-ähnlichen Zustand befand, doch der eingefleischte Mentalist und Entertainer weiß genau, was er zu tun hat. Nach dem sehr freundlichen Gespräch, dem Posieren für ein gemeinsames Gruppenbild und dem Besuch des Ateliers von Herrn Geller, machten wir uns mit einer krummen Münze und einer Mengen Impressionen auf den Weg zum Essen.
Im Anschluss wurden wir von einem Einheimischen mit unserer zwischenzeitlichen Leibspeise versorgt: Falafel in verschiedensten Brot-Ummantelungen. Überpünktlich um 15:00 saßen wir also gestärkt in der Außenhandelskammer Israel.
Herr Grisha Alroi-Arloser, der langjährige Direktor der AHK Israel präsentierte mit einer frischen PowerPoint-Präsentation die Besonderheiten des Standortes Israel und hat uns versucht die Denkweise der Bewohner näherzubringen. Ein paar kurze und informelle Stichpunkte wurden uns genannt, ganz im Sinne der Mentalität der Israelis. Die wichtigsten Daten werden für einen schnellen Überblick nachfolgend aufgelistet, ähnlich wie wir sie erhalten haben:
- 20.770 km^2
- 9 Mio. Menschen
- 380 Milliarden $ BIP
- Über 3.800 Start-ups
Für Israelis untypisch schnörkelhaft wurde es, bei den vier Prinzipien, nach denen Israeliten denken, arbeiten und handeln:
1. „Geht nicht gibt’s nicht“
2. „Keine Angst vor Risiko/Scheitern“
3. „Ich liebe Unverfrorenheit“
4. Kätzchen zum Tiger: "Du bist auch nur eine Katze. Pisst nur bisschen dicker"
Israel ist trotz der geringen Bevölkerung und der äußerst kleinen Fläche ein ernstzunehmender Player im internationalen IT-Wettbewerb. Bedingt durch die beiden Faktoren muss sich Israel durch Flexibilität, Unverfrorenheit, Mut und ein „rheinisches“ Mundwerk beweisen. Sehr wertvoller und informativer Besuch, den wir natürlich mit dem obligatorischen Gruppenfoto abschließen.
Die anfängliche schlechte Stimmung des Tages ist mittlerweile beim Anblick des wundervollen Sonnenuntergangs, der rauschenden Wellen und der spielenden Hunde gänzlich verflogen. Tel-Aviv hat uns mit allem was es zu bieten hat willkommen geheißen und lässt uns den Tag mit nur noch mehr Vorfreude auf die kommenden Tage auf der Dachterrasse des Abrahams ausklingen.
Spruch des Tages: „Ich mag Gruppenarbeit nicht, eigentlich schon nicht bei zwei Personen“ – „Und du willst Projektleiterin werden?!“
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