13 - Technion Israel Institute of Technology und Nazareth


Dienstag, den 04. Februar 2020
(Von Rosalie Schindler und Sebastian Barth)



Nach einem kurzen selbstgemachten Frühstück ging es gegen halb 9 zum Technion Israel Institute of Technology in Haifa. Im Gegensatz zum vorherigen Tag verlief die Anreise mit dem Bus reibungslos, sodass wir 15 Minuten vorher ankamen. Im Visitor Center wurden wir von der Chemie-Studentin Shir freundlich begrüßt. Neben einem Überblick über den Campus erzählte sie uns auch viele Dinge über das Leben der Studierenden in Israel. 
Der Campus der Technion Universität beheimatet 18 Fakultäten in den Bereichen Ingenieurwesen, Computer Science und Naturwissenschaften. Insgesamt studieren 15.000 meist junge Leute an der Technion, nachdem sie ihre zwei- bis dreijährige Militärgrundausbildung absolviert haben. Insgesamt liegt der Frauenanteil an der Universität bei ca.  40%, in den Ingenieurwissenschaften liegt der Anteil im Gegensatz zu Jordanien ähnlich wie in Deutschland bei ca. 20%. Shir zeigt uns auf einem großen Bildschirm eine Übersicht des Campus. Im Anschluss stellt sie uns bedeutende Erfindungen, Start-Ups und Firmenkollaborationen vor. Internationale Unternehmen wie Intel, Google und Microsoft haben beschlossen sich in Haifa anzusiedeln, um die Möglichkeiten der Technion zu nutzen. 
Besonders fasziniert ist Shir von der Entwicklung des Iron Domes mit der IAI (Israel Aerospace Industries).
Neben der Einbindung der Sicherheitsindustrie und internationalen Unternehmen unterstützt die Technion auch Studierende bei der Gründung von Start-Ups. So entstand beispielsweise das Cell Grown Meat von Alpha Farms. Auch aus an den Fakultäten entstehen selbst entwickelte Produkte, wie beispielsweise die Robotic Surgery. Dies ist eine Art Schlange mit Kamera zum Unterstützen von Operationen innerhalb der Blutgefäße und Ähnlichem, welche für mehrere Millionen Euro verkauft wurde.
Nachdem Bestaunen der Innovationen von Technion wurden wir in ein 360°-Kino geführt. Hier wurde nochmals die Geschichte, Entwicklung und Grundsätze der Technischen Universität in einem beeindruckenden Film dargestellt. 
Anschließend führte uns Shir über den Campus. Zuerst machten wir halt im Gebäude des Mechanical Engineering und wurden dort von einem großen Hörsaal überrascht, welcher an den Hochschulen in Deutschland eher untypisch sind. Im Gegensatz zu den „Klassenzimmern“ an der RFH fasst dieser rund 200 Studenten, die in einer Art Kinosessel Platz nehmen dürfen. Neben den einzelnen Fakultäten gibt es auch ein Gebäude für die notwendige Lernverpflegung, welches einem Food-Court ähnelt, in dem man alles mögliche zum Essen findet. 


Fakultät für Mechanical Engineering


Direkt neben dem FoodCourt steht ein 28 Meter hoher Obelisk, welcher im ersten Bild zu erkennen ist. Dieser markiert das Herz des Campus. In Sichtweite befinden sich ein weiteres Gebäude, welches keiner Fakultät angehört. Dort werden den Studenten des 1. und 2. Jahres die Grundlagen wie Physik, Chemie und Mathematik gelehrt. Auf dem Campus befinden sich Dormitories für Studierende des ersten Jahres, dadurch ist es möglich schnell viele neue Kommilitonen kennen zu lernen.
Mit unserem Gruppenfoto haben wir unseren sehr spannenden Besuch an der Technion abgeschlossen.



Pünktlich um 11:15 Uhr standen wir an der nächsten nahegelegenen Bushaltestelle. Die problematischen Busfahrten vom vorherigen Tag waren nach der Busfahrt am Morgen fast vergessen. Leider stiegen wir in die falsche Richtung ein – und landeten an der Endhaltestelle. Nach vielen vorbeifahrenden Bussen ging es um 12 Uhr weiter. Zwei Busfahrten später erreichten wir nach einer halben Stunde den Busbahnhof von Haifa. Direkt im Anschluss sprangen wir in den Reisebus nach Nazareth. Leider hörten dies nicht alle Teilnehmer der Studienfahrt. So saßen 10 bereits im Bus, unser Professor noch draußen, und suchte nach Nummer 11. Der Busfahrer wollte allerdings nicht warten. So fuhren wir getrennt nach Nazareth. Denn „die Gruppe wartet nicht“! In Nazareth konnten sich so noch der Großteil der Gruppe mit verschiedenen Leckereien aus der Gourmetküche vom goldenen M eindecken. 
Nachdem wir wieder vollständig waren, suchten wir den Metallbauer für Rolltore MJRizik auf, den wir als nächsten Firmenbesuch geplant hatten. Wir fanden diesen auch schnell, und standen schon Mitten im Lager. Die Werker vor Ort wussten allerdings nichts von unserem angekündigten Besuch. Kurzerhand wurden wir in eine Art Pausenraum und Lager platziert, der wohl auch als Besprechungsraum dient. Der General Manager Marwan Rizik wurde angerufen und dieser erschien 15 Minuten später. 


So begannen wir um 14:30 Uhr mit einem kleinen Spaziergang durch die Produktion. Aus Coils werden Metallprofile für die Rolltore in unterschiedlichsten Längen gefertigt. Diese oder auch zugekaufte Profile werden in der nächsten Station zu einem Rolltor zusammengesteckt. Auch die Aufhängungen werden von den insgesamt ca. 20 Mitarbeitern gefertigt. Das Portfolio des arabischen Metallbauers erstreckt sich über unterschiedlichste Profile und Längen. Die maximale Breite eines Tores beträgt 8 Meter. Der Manager fertigt vor Allem nach dem Prinzip „Good and Cheap“. Innerhalb von einem Tag kann er eine Sonderbestellung, wahrscheinlich für entsprechende Entlohnung, abgewickelt werden. Neben dem Fertigen der Rolltore hat er auch 4 LKWs zum Installieren und Reparieren der Tore. Hier sieht er seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Herstellern. Der Vertrieb der Rolltore erfolgt landesweit. Besonders erstaunt sind auch einige in unserer Gruppe über die spontane und pragmatische Abwicklung der Zahlungen von Kunden. 
Spontan dürfen wir in die Produktionshallen des Nachbarbetriebs rh electronis schauen. Bereits im Eingangsbereich stellen wir einen Unterschied fest. Das LEAN-Prinzip scheint hier in allen Produktionsräumen vollumfänglich umgesetzt worden zu sein. Eine hochmoderne Produktion für IT-Komponenten erstreckt sich über vier Stockwerke.  Serverschränke, Platinen und viele weitere Komponenten werden sowohl für zivile als auch militärische Kunden produziert.
Der gesamte Besuch wurde mit einer kleinen Kaffeepause bei MJRizik beendet. Hier hat uns der General Manager von seinen deutschen Geschäftsbeziehungen erzählt. Unser professioneller Fensterbauer Michael wittertet direkt ein positives Geschäft und stellt seine Unterstützung tatkräftig zur Verfügung. Was aus den ersten Gesprächen wird, steht allerdings aktuell noch unter anderen Sternen. 
Nach längerer Wartezeit auf einen privaten Bus von MJRizik können wir unseren Tagestripp nach Nazareth fortsetzen. In Nazareth konnten wir noch einen kleinen Stadtrundgang anschließen, indem wir uns die Verkündigungsbasilika und die orthodoxe Kirche anschauen konnten. Beide behaupten, dass an diesem Ort Maria die Verkündung ihrer Schwangerschaft erhalten habe.



Bilder 1 und 2 in der orthodoxen Kirche der Verkündigung 


Basilika der Verkündigung 

Die Heimfahrt nach Haifa verlief nach dem Auffinden des richtigen Busses unspektakulär, doch erwartete uns in Haifa noch ein überraschender Abend. So hatte eines unsere Zimmer kein Licht mehr, worauf das Hotel nur folgenden Aussage tätigen konnte: „I pay for the room and have no window and no light – Yes, exactly.“ (Spruch des Tages)
Als Ersatz dient nun eine Schreibtischlampe aus dem Nachbarzimmer.




Nach diesem Schock hatten wir beschlossen, die eine Studentenkneipe mit verhältnismäßig günstigen Preisen aufzusuchen. Hier hatten wir allerdings Probleme mit der Stabilität des Tisches, so genossen zwei von uns gleich zweimal eine nette Bierdusche. Das Problem wurde von unserem pfiffigen Vertriebler gelöst. 

Damit beenden wir den Tag und melden uns Morgen leider schon von unserer letzten Station aus Tel Aviv.

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