5 - AMMANohman
Dienstag, der 28.01.2020
(von Tobias Schmitz)
Bereits bei der nächtlichen Ankunft um 02.30 Uhr wurden wir von diversen Wellensittichen und Zwergkaninchen begrüßt. Die beiden beworbenen Eichhörnchen haben wir leider noch nicht zu Gesicht bekommen. Unser Domizil im Amman Pasha Hotel ist zwar einfach, aber trotz einer belebten Lobby sauber. Bis auf meinen Vorgänger sind wir alle auf schnellstem Weg ins Bett (an dieser Stelle Probs an Michael zur Fertigstellung des Blogs).
Die Nacht war weniger kalt als befürchtet. Nach nur wenigen Stunden Schlaf quälten wir uns wieder um 7.30 Uhr Richtung Frühstück. Doch das hat alle Entbehrungen wieder wett gemacht. In gute Laune versetzte uns die arabische Musik von Assala Nasri. Durch Ei, Nudel- und Kartoffelsalat, Kaffee, Brot und einem Gebäck ähnlich einem Berliner starten wir gut gestärkt in den Tag.
Bereits am Flughafen in der Nacht fiel auf, dass zumindest das Thema Müllentsorgung besser organisiert ist als in Ägypten. Dieser Eindruck setzt sich auf der Fahrt mit „Manni the Second“ fort. Das Stadtbild ist zwar einfach, jedoch deutlich weniger durch Bauruinen geprägt. Viele der Gebäude wirken neu und sehr gepflegt. Der Verkehr lässt die Einhaltung gewisser Regeln erkennen (Spur halten, Blinkernutzung, …). Das fehlende Hupen trägt ungemein zur deutlich entspannteren Reise bei. Zudem fällt die bedeutend höhere Daimler-Quote im Verkehr auf.
Unsere erste Station erreichen wir entspannt. Zufälligerweise machen wir unseren Orientierungshalt genau vor dem Bürogebäude von „Al Maseico Electrical Industries“, unserem Ziel. Nachdem das nach einigen Telefongesprächen klar wurde, empfing uns der Geschäftsinhaber Mazen Abu Jubara persönlich, um uns seine Firma vorzustellen. Empfangen wurden wir dazu in einem imposanten Showroom. Hier stellt die Firma diverse Kunstgegenstände aus, welche Sie aus Ihren Produktionsabfällen recycelt. Jeder von uns hat einen Hopfensaft-Untersetzer aus recycelten Material als Geschenk erhalten. Die hohe Gastfreundschaft gepaart mit einer innovativen Mentalität hinterlassen bei uns Eindruck.


Kernkompetenz des Unternehmens ist die Herstellung von Kabelklemmen, -schnellen, Kabelkanäle und Outletboxes für Elektroinstallationen sowie Unterkonstruktionen für Solarplatten. Des Weiteren werden Blitzableiter und Straßenleitplanken hergestellt. Besonders betont wurde hierbei der hohe Automatisierungsgrad, gute Dokumentation und bereits vorhandene Zertifizierungen. Durch die eigene Galvanisierung und individuelle Konstruktion bei Großanlagen haben die Produkte bei 20 Jahren Garantie einen besonders hohen Schutz zum Einsatz in der Wüste.
Nach einer schnellen Kaffeepause (inklusive Baklava) zu der wir verpflichtet wurden, verlassen wir den Showroom. Um 11 Uhr kommen wir nach 40-minütiger Fahrt am Produktionsstandort von Maseico an. Hier erhalten wir Einblicke in die verschiedene Prozessschritte von CNC über Drehen, Fräsen, Stanzen und Umformen bis hin zur Galvanisierung. Überraschend war die gute Ordnung und die geräumigen Platzverhältnisse in den Produktionshallen. Auch wenn einige Sicherheitsmaßnahmen clever umgangen und Werkbänke durch umgestülpte Plastikeimer ersetzt werden, waren wir von den Standards beeindruckt. Besondere Herausforderungen der Produktion ist die Qualifikation der Mitarbeiter sowie die Sicherung der Qualitätsstandards. Neue Mitarbeiter werden sechs Monate zur Schulung in die Türkei entsendet. Aufgrund der starken Schwankungen in der Produktionsqualität wird eine hundertprozentige Teileprüfung durchgeführt.
Auf dem Weg zu unserer nächsten Station werden unsere Mägen mit köstlichem einheimischem Gebäck mehr als zufrieden gestellt. Die German Jordanian University (GJU) erreichten wir pünktlich um 13 Uhr. Ungefähr 5000 Studenten absolvieren hier ein Bachelor bzw. Master Studium in 27 Studiengängen von 9 Fakultäten. An der gesamten Hochschule wird in kleinen Kursen von durchschnittlich 25-30 Studierenden gelehrt. Das kommt uns bekannt vor. Allerdings zeichnet sich das Vorlesungsverhalten eher als autoritär aus und – nach Erzählungen - die Motivation der Studenten sehr passiv während des Semesters.
Ein besonderes Projekt der GJU ist der Aufbau dualer Studiengänge, aktuell mit Fokus auf MINT Studiengänge. Da es in Jordanien weder berufsbegleitende Studiengänge noch berufsintegrierte Berufsausbildungen gibt, soll dieses Programm eine Lücke auf dem Arbeitsmarkt (ein Drittel Arbeitslosigkeit bei Akademikern) füllen. Hier ist die große Herausforderung die jordanischen Firmen davon zu überzeugen, den Azubis Lohn zu zahlen und für deren Ausbildung aufzukommen. Das Programm wurde mit den für Jordanien teilweise neuen Studiengängen Maschinenbau, Computerscience, Logistik und Management eingeführt. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Geschlechterverteilung in diesen technischen Fächern sehr ausgeglichen.
Innerhalb von drei Jahren erlernen die Studenten zusätzlich zum Vorlesungsinhalt deutsch. Das Ziel ist es sie auf ein ganzes Jahr in Deutschland vorzubereiten. Hier muss jeder Student ein Semester und ein Praktikum absolvieren. Grund des Fokus auf Deutschkenntnisse ist das Interesse von jordanischen Firmen an industrieller Zusammenarbeit mit deutschen Firmen. Die Kenntnisse, welche während des Aufenthalts in Deutschland erworben werden, helfen den zukünftigen Ingenieuren bei ihrer späteren Arbeitssuche in Jordanien immens. Über 600 Studenten kommen so jedes Jahr nach Deutschland, während ca. 100 den Weg aus Deutschland nach Jordanien finden. Aufgrund der wirtschaftlichen Relevanz und der Begeisterung der Studenten soll dieses Programm weiter ausgebaut werden.
Abschließend konnten wir einen genaueren Einblick in die Räume der technischen Fakultät gewinnen. Besonders beeindruckend war die große Anzahl und intensive Nutzung von Laboren. Robotics, programmable logic controllers und mechanical & material labs waren nur einiger der Labore die uns stolz präsentiert wurden. Beim Zugversuch hat Felix seinen Master Titel mit Bravour verteidigen können.
Nach einem Abschlussfoto auf dem Unigelände ging es nach dem vollen Tagesprogramm leider nicht schnell genug Richtung Hotel. Grund war mal wieder der Stau. Leider konnten wir durch die Verspätung das Amphitheater vor unserem Hotel nur von außen betrachten. Nachdem wir uns alle mit lokaler Währung eingedeckt hatten, entschlossen wir uns für ein einheimisches Abendessen im Hotelrestaurant. Dem üblichen Drang nach Braugetränken konnten wir ebenfalls gerecht werden. Mit live Musik und Tanz lassen wir unseren ersten Abend in Amman gemütlich ausklingen.
Zitat des Tages: Warum fahren wir eigentlich ständig irgendwo hin ???
(von Tobias Schmitz)
Bereits bei der nächtlichen Ankunft um 02.30 Uhr wurden wir von diversen Wellensittichen und Zwergkaninchen begrüßt. Die beiden beworbenen Eichhörnchen haben wir leider noch nicht zu Gesicht bekommen. Unser Domizil im Amman Pasha Hotel ist zwar einfach, aber trotz einer belebten Lobby sauber. Bis auf meinen Vorgänger sind wir alle auf schnellstem Weg ins Bett (an dieser Stelle Probs an Michael zur Fertigstellung des Blogs).
Die Nacht war weniger kalt als befürchtet. Nach nur wenigen Stunden Schlaf quälten wir uns wieder um 7.30 Uhr Richtung Frühstück. Doch das hat alle Entbehrungen wieder wett gemacht. In gute Laune versetzte uns die arabische Musik von Assala Nasri. Durch Ei, Nudel- und Kartoffelsalat, Kaffee, Brot und einem Gebäck ähnlich einem Berliner starten wir gut gestärkt in den Tag.
Bereits am Flughafen in der Nacht fiel auf, dass zumindest das Thema Müllentsorgung besser organisiert ist als in Ägypten. Dieser Eindruck setzt sich auf der Fahrt mit „Manni the Second“ fort. Das Stadtbild ist zwar einfach, jedoch deutlich weniger durch Bauruinen geprägt. Viele der Gebäude wirken neu und sehr gepflegt. Der Verkehr lässt die Einhaltung gewisser Regeln erkennen (Spur halten, Blinkernutzung, …). Das fehlende Hupen trägt ungemein zur deutlich entspannteren Reise bei. Zudem fällt die bedeutend höhere Daimler-Quote im Verkehr auf.
Unsere erste Station erreichen wir entspannt. Zufälligerweise machen wir unseren Orientierungshalt genau vor dem Bürogebäude von „Al Maseico Electrical Industries“, unserem Ziel. Nachdem das nach einigen Telefongesprächen klar wurde, empfing uns der Geschäftsinhaber Mazen Abu Jubara persönlich, um uns seine Firma vorzustellen. Empfangen wurden wir dazu in einem imposanten Showroom. Hier stellt die Firma diverse Kunstgegenstände aus, welche Sie aus Ihren Produktionsabfällen recycelt. Jeder von uns hat einen Hopfensaft-Untersetzer aus recycelten Material als Geschenk erhalten. Die hohe Gastfreundschaft gepaart mit einer innovativen Mentalität hinterlassen bei uns Eindruck.


Kernkompetenz des Unternehmens ist die Herstellung von Kabelklemmen, -schnellen, Kabelkanäle und Outletboxes für Elektroinstallationen sowie Unterkonstruktionen für Solarplatten. Des Weiteren werden Blitzableiter und Straßenleitplanken hergestellt. Besonders betont wurde hierbei der hohe Automatisierungsgrad, gute Dokumentation und bereits vorhandene Zertifizierungen. Durch die eigene Galvanisierung und individuelle Konstruktion bei Großanlagen haben die Produkte bei 20 Jahren Garantie einen besonders hohen Schutz zum Einsatz in der Wüste.
Nach einer schnellen Kaffeepause (inklusive Baklava) zu der wir verpflichtet wurden, verlassen wir den Showroom. Um 11 Uhr kommen wir nach 40-minütiger Fahrt am Produktionsstandort von Maseico an. Hier erhalten wir Einblicke in die verschiedene Prozessschritte von CNC über Drehen, Fräsen, Stanzen und Umformen bis hin zur Galvanisierung. Überraschend war die gute Ordnung und die geräumigen Platzverhältnisse in den Produktionshallen. Auch wenn einige Sicherheitsmaßnahmen clever umgangen und Werkbänke durch umgestülpte Plastikeimer ersetzt werden, waren wir von den Standards beeindruckt. Besondere Herausforderungen der Produktion ist die Qualifikation der Mitarbeiter sowie die Sicherung der Qualitätsstandards. Neue Mitarbeiter werden sechs Monate zur Schulung in die Türkei entsendet. Aufgrund der starken Schwankungen in der Produktionsqualität wird eine hundertprozentige Teileprüfung durchgeführt.
Auf dem Weg zu unserer nächsten Station werden unsere Mägen mit köstlichem einheimischem Gebäck mehr als zufrieden gestellt. Die German Jordanian University (GJU) erreichten wir pünktlich um 13 Uhr. Ungefähr 5000 Studenten absolvieren hier ein Bachelor bzw. Master Studium in 27 Studiengängen von 9 Fakultäten. An der gesamten Hochschule wird in kleinen Kursen von durchschnittlich 25-30 Studierenden gelehrt. Das kommt uns bekannt vor. Allerdings zeichnet sich das Vorlesungsverhalten eher als autoritär aus und – nach Erzählungen - die Motivation der Studenten sehr passiv während des Semesters.
Ein besonderes Projekt der GJU ist der Aufbau dualer Studiengänge, aktuell mit Fokus auf MINT Studiengänge. Da es in Jordanien weder berufsbegleitende Studiengänge noch berufsintegrierte Berufsausbildungen gibt, soll dieses Programm eine Lücke auf dem Arbeitsmarkt (ein Drittel Arbeitslosigkeit bei Akademikern) füllen. Hier ist die große Herausforderung die jordanischen Firmen davon zu überzeugen, den Azubis Lohn zu zahlen und für deren Ausbildung aufzukommen. Das Programm wurde mit den für Jordanien teilweise neuen Studiengängen Maschinenbau, Computerscience, Logistik und Management eingeführt. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Geschlechterverteilung in diesen technischen Fächern sehr ausgeglichen.
Innerhalb von drei Jahren erlernen die Studenten zusätzlich zum Vorlesungsinhalt deutsch. Das Ziel ist es sie auf ein ganzes Jahr in Deutschland vorzubereiten. Hier muss jeder Student ein Semester und ein Praktikum absolvieren. Grund des Fokus auf Deutschkenntnisse ist das Interesse von jordanischen Firmen an industrieller Zusammenarbeit mit deutschen Firmen. Die Kenntnisse, welche während des Aufenthalts in Deutschland erworben werden, helfen den zukünftigen Ingenieuren bei ihrer späteren Arbeitssuche in Jordanien immens. Über 600 Studenten kommen so jedes Jahr nach Deutschland, während ca. 100 den Weg aus Deutschland nach Jordanien finden. Aufgrund der wirtschaftlichen Relevanz und der Begeisterung der Studenten soll dieses Programm weiter ausgebaut werden.
Abschließend konnten wir einen genaueren Einblick in die Räume der technischen Fakultät gewinnen. Besonders beeindruckend war die große Anzahl und intensive Nutzung von Laboren. Robotics, programmable logic controllers und mechanical & material labs waren nur einiger der Labore die uns stolz präsentiert wurden. Beim Zugversuch hat Felix seinen Master Titel mit Bravour verteidigen können.
Nach einem Abschlussfoto auf dem Unigelände ging es nach dem vollen Tagesprogramm leider nicht schnell genug Richtung Hotel. Grund war mal wieder der Stau. Leider konnten wir durch die Verspätung das Amphitheater vor unserem Hotel nur von außen betrachten. Nachdem wir uns alle mit lokaler Währung eingedeckt hatten, entschlossen wir uns für ein einheimisches Abendessen im Hotelrestaurant. Dem üblichen Drang nach Braugetränken konnten wir ebenfalls gerecht werden. Mit live Musik und Tanz lassen wir unseren ersten Abend in Amman gemütlich ausklingen.
Zitat des Tages: Warum fahren wir eigentlich ständig irgendwo hin ???









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