6 - Amman und Petra

Mittwoch, der 29.01.2020
(von Felix Rathert)

Die zweite Nacht in Amman ist zum Glück erholsamer als die erste Nacht. Wir werden wieder zuerst um 5 Uhr vom Muezzin der benachbarten Moschee geweckt, der uns an das anstehende Gebet erinnern möchte. 

Wir treffen uns zum bereits am Vortag bewährten Frühstück und werden um 8 Uhr abgeholt und fahren zum Flughafen. Heute sind wir keine Passagiere, sondern Besucher. Wir freuen uns auf den Termin bei der Firma Joramco, einem lokalen Unternehmen für Flugzeugwartung.

Der erste Regen dieser Reise überrascht einige von uns. Andere freuen sich, dass sie den Regenschirm nicht umsonst eingepackt haben! 

Auf dem Weg zum Flughafen (ausnahmsweise ohne Stau) bekommen wir einen Einblick in die Wohngebiete von Amman. Trotz der circa 1,8 Millionen Einwohner Ammans wirkt es im Vergleich zu Kairo nicht überfüllt. Im Gegensatz zu Ägypten fallen einige vergleichsweise grüne Flächen auf, aus felsigem Ackern und verschiedenen Bäumen. 

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass wir nur 200 km von Damaskus entfernt sind. Ein komisches Gefühl dem Krieg so nah zu sein. Jordanien hat laut Regierungsangaben aktuell etwa 9,7 Mio Einwohner und beherbergt 1,3 Mio syrische Flüchtlinge in Camps im Norden des Landes. Unsere Kontaktperson von der deutsch-jordanischen Universität begleitet uns auch Heute. Wir erfahren, dass dieser große Bevölkerungsanstieg das Land in vielerlei Hinsicht vor besondere Herausforderungen stellt. In Punkto Infrastruktur kann beispielhaft die medizinische Versorgung genannt werden, in der vorhandene Kapazität und Nachfrage aus dem Gleichgewicht geraten sind. Auch die Situation auf den Arbeitsmarkt sei sehr angespannt, da Jordanien vorher bereits unter einer Arbeitslosigkeit von 20% gelitten hat. 

Amman hinterlässt einen sehr guten Eindruck und hält weitere Sehenswürdigkeiten (römisches Amphietheater, Zitadelle etc.) bereit, die wir leider zeitlich nicht anschauen konnten. Die einheimische Bevölkerung ist sehr freundlich und viele sprechen sehr gut Englisch. 

Bei Joramco werden wir von drei erfahrenen Mitarbeitern in einem großen Besprechungsraum freundlich empfangen. Insgesamt beschäftigt Joramco 1.500 Mitarbeiter und ist auf Flugzeugwartung spezialisiert. Das Unternehmen zeichnet sich durch eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur und das Know-How der Mitarbeiter aus. Das Servicespektrum wird mit „MRO“ abgekürzt und bedeutet „Maintenance, Repair, Overall“. Der Standort in Jordanien ist attraktiv für Kunden aus Europa, dem nahen Osten und Asien. Das spiegelt sich in einem breit gefächerten Kundenportfolio, mit namhaften Airlines wie Lufthansa und Ryan Air wider.

Joramco wartet jährlich etwa 350 Flugzeuge, wobei bis zu 17 parallel bearbeitet werden können. Entgegengesetzt zur Hochsaison der Airlines gibt es auch eine Hoch- und Nebensaison in der Flugzeugwartung, da die verschiedenen Kontrollstandards von einem halben Tag bis 45 Tage andauern. Das Unternehmen ist besonders stolz auf die Ausbildung für Mitarbeiter zur Flugzeugwartung in der eigenen Joramco Acadamy. Der vierjährige „Sandwichkurs“ untergliedert sich in eine jeweils zweijährige theoretische, sowie praktische Ausbildung. Wir besichtigen die Lehrwerkstätten und kommen mit den Teilnehmern in Kontakt. Die Joramco Ausbildung genießt international einen guten Ruf und einige Teilnehmer träumen von einer beruflichen Zukunft in Europa, Saudi-Arabien oder den Emiraten. Das Ausbildungsprogramm kostet für vier Jahre in etwa 30.000 US$, was insbesondere vor dem Hintergrund der jordanischen Durchschnittsgehälter eine sehr große Summe darstellt. Bei einer anschließenden Mindestarbeitszeit bei Joramco gibt es die Option, dass die Studiengebühren von Joramco übernommen werden. 



Anschließend dürfen wir in die Hallen zur Flugzeugwartung in denen gerade mehrere Flugzeuge parallel gewartet werden. Wir sind beeindruckt von den Dimensionen und der Perfektion. Zum Abschluss werden wir zum Mittagsessen eingeladen. Wir erfahren, dass wir die erste ausländische studentische Besuchergruppe sind, sodass es auch für Joramco ein besonderer Tag war. Die Gastfreundschaft von Joramco ist überwältigend und wir werden mit einer großzügigen Geschenktüte verabschiedet. Die von Joramco vorab erbetenen Fragen von uns werden individuell auf einem Handout beantwortet. 

 


Nach dem Firmenbesuch fahren wir mit unserem Fahrer und seinem Wifi-Bus 230 km in den Süden Jordaniens weiter nach Wadi Musa. Unser Hotel bietet einen Panoramablick über die Stadt.



Wir nutzen die letzten Sonnenstrahlen und gehen bergab in den Ort. Hier finden wir unter Anderem einen Irish Pub und testen das lokale Bier. Nach einem anschließenden Abendessen werden wir um 20.00 Uhr abgeholt und fahren zu „Petra at Night“. Das zweite Weltwunder dieser Reise erreichen wir nach einem 30 minütigen Fußweg durch ein ausgetrocknetes Flussbett. Der Weg ist mit Kerzen auf dem Boden markiert. Der helle Sternhimmel und die Mondsichel runden die besondere Atmosphäre ab. Wir sind beeindruckt und freuen uns auf den morgigen Besuch im Hellen.





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