3 - Pyramiden rund um Kairo

Sonntag, der 26.1.2020
(von Rosalie Schindler und
  Sebastian Barth)
Gruppenfoto vor der ältesten Pyramide der Welt

Mehr - oder weniger - pünktlich um 8 Uhr brechen wir mehr – oder weniger – gesättigt zu unserer Pyramiden-Tour auf. Diese haben wir gestern spontan auf Empfehlung unseres Hoteliers gebucht. In einem 15-Sitzer fahren wir los. Unser Tour-Guide Hussein überrascht uns mit fließendem Hochdeutsch. Währen der knapp eineinhalbstündigen Fahrt werden wir durchgängig von Hussein mit Erzählungen rund um die ägyptische Kultur und den Pyramiden unterhalten. 

Das Stadtbild von Kairo ist durch unfertige Häuser geprägt. Dies hat den Grund, dass für ein halbfertiges Haus keine Steuer (normalerweise 10%) zu zahlen sind. Wir fahren an der verbarrikadierten amerikanischen Botschaft vorbei. Die Straßeneingänge sind mit großen Betonblöcken meterhoch versperrt. 2011 waren die Amerikaner während der Revolution verängstigt, seitdem hat sich Einiges verändert. Neben der ungewöhnlichen amerikanischen Botschaft prägt auch ein hohes Militäraufgebot in Kairo das Stadtbild. Mit 19 Jahren gehen die Ägypter – je nach Bildungsgrad – 1 bis 3 Jahre zum Militär. 
Auch das Heiraten ist für Hussein ein großes Gesprächsthema. Durch sein Studium in Freiburg kennt er die deutsche Kultur und kann uns von unserem Standpunkt abholen. Auch er ist der Meinung Frauen müssten kein „Zelt“ tragen. Weitere Anekdoten zu Muslimen und Christen folgten.  

Wir nähern uns den Pyramiden. Insgesamt wurden bisher 124 Stück gefunden. Eigentlich waren Pyramiden immer glatt, nicht wie wir dachten, aus Würfeln. Denn diese liegen nur frei, da die glatten Steine später von den Muslimen abgebaut wurden und für ihre eigenen Bauten weiterverwendet wurden. Um 9:30 Uhr erreichen wir Dahshur. Dort befinden sich zwei Pyramiden. Die erste Pyramide ist als Knickpyramide von Snofru bekannt. Nicht wir haben einen Knick in der Optik, sondern die Pyramide. Dieser entstand, da dies der erste Versuch war, eine dreieckige Pyramide zu bauen. Die ursprünglichen geplanten 60 Grad Steigung waren zu optimistisch, die Pyramide wäre zu hoch geworden und die Statik nicht ausreichend gewesen. Jetzt ist sie „nur“ 101 Meter hoch. Die Problematik mit den Winkeln versucht uns Hussein mit Zeichnungen im Sand zu erklären. Er meinte allerdings sofort, wir Ingenieure müssten das besser können als er. 

Wir beschließen um die Pyramide herum zu spazieren. Wir sind fast allein, außer ein paar anderen Touristen und der Polizisten, die uns um die Pyramide folgen.


Die Pyramide nebenan ist als rote Pyramide bekannt. Der rote Stein erklärt die Namensgebung. Ursprünglich hatte diese Pyramide wie viele andere auch eine goldene Spitze. Jetzt natürlich schon lange von Grabräubern geraubt. Endlich dürfen wir eine Pyramide von Innen sehen. Uns erwartet ein sehr steiler Schacht von ca. 20 Metern, welchen wir fast wie eine Leiter hinabklettern.  Unten angekommen erwartet uns eine heiße und stickige Luft, welche den ein oder anderen ganz schön zum Schwitzen brachte. Der Abstieg hat sich sehr gelohnt, am Ende sind beeindruckende Grabkammern zu besichtigen.



Es ist 10:45. Wir haben den Aufstieg nach Draußen erfolgreich gemeistert. Wir fahren weiter. Nach einer Stunde erreichen wir Saqqarah. Dort liegt die Djoser-Pyramide. Daneben befindet sich eine Grabstädte mit erhaltenen bunten Bemalungen. Diese sind so schön bemalt, da das Grab als ewiges Haus für das ewige Leben – erlangt durch die Einbalsamierung – dienen soll.


Nach dem Bestaunen der vielfältigen und witzigen Malereien wenden wir uns der berühmten Stufenpyramide zu. Diese ist fast 5000 Jahre alt. Die Pyramide besteht aus insgesamt 11 Stufen. Sechs sind in die Höhe gebaut, fünf in den Boden gemeiselt. Die Stufen waren nicht von Anfang an geplant, sondern zuerst eine „Bank“. Dies wurde nach und nach erweitert. So entstand die erste Pyramide überhaupt. So können wir nun nachvollziehen, warum die Knickpyramide einen Knick hat. Der Bau dieser folgte danach, ein Learning by Doing. Bei der roten Pyramide hat es ja dann geklappt!
Ein weiterer Punkt ist unserem Tour-Guide wichtig. Keine Sklaven wurden zum Bau der Pyramiden gezwungen. Seit 2018 ist belegt, dass dies freiwillige Helfer waren, welche sehr gut mit Bier, Wein und Fleisch entlohnt wurden. Ein Angebot welches uns nachvollziehbar erscheint. 



Es ist auch zu sagen, dass wir mittlerweile die akute Unterhopfung behandeln konnten und einen Kiosk unseres Vertrauens gefunden haben.

Wir brechen auf zum Mittagessen. Die Fahrt führt uns an einem Seitenarm des Nil entlang. An und im Wasser liegen Berge an Müll. Dieser ist ein großes Problem in Kairo. 

Zum Mittagessen gibt es von Einheimischen Reis, Brot, Hummus, Gemüse, Kofta und Hühnchen. Schmeckt uns allen hervorragend! Nach der Stärkung durch schwarzen Tee geht es gegen 14:20 Uhr in Richtung Gizeh weiter. Leider dauert das eine Weile, da wir uns bereits im aufkommenden Feierabendverkehr befinden. Nach einer guten Stunde erreichen wir die Pyramiden von Gizeh



Das Weltwunder besteht aus drei großen Pyramiden. Hier tümmeln sich – im Gegensatz zu den Locations vom Vormittag – zahlreiche Einheimische und verkaufslustige Händler. Nach einem kurzen Knipser an der ersten Pyramide wollen wir ins Grab einer kleinen Pyramide hinein. Leider ist die Schlange sehr lang. Da um 16 Uhr alle Eintritte der Sehenswürdigkeiten schließen, entscheiden wir uns sehr schnell zur Sphinx zu eilen. Auf dem Weg finden wir den Ausgrabungsort von den Booten, die dort zum Reisen der toten Pharaonen in den Himmel abgelegt wurden. 

Wir erreichen den Eingang und die Plattform der Sphinx. Mit ihren 15 Metern Höhe wirkt sie erstaunlich klein. Diese wurde nur aus „Zufall“ aus übrig gebliebenen Fels gemeiselt. Die Nase fehlt. 
1798 wurde diese zum Üben als Zielscheibe verwendet und abgeschossen. Welcher Nationalität die Soldaten angehören bleibt umstritten. 


Um 17 Uhr erreichen wir das Papyrus-Museum. Wir werden in der Herstellung von Papyrus blättern gelehrt und uns bemalte Papyrusblätter als Souvenirs schmackhaft gemacht. Wir widerstehen. 
Endlich geht’s zurück ins Hotel. Stickiger, hupender, zäher Verkehr begleiten uns. 
Nachdem wir eine kurze Verschnaufpause eingelegt haben, brechen wir sofort wieder auf. Der Hopfenblütentee muss beschafft werden!! Das hier ist nun Mal kein Pussy-Trip!
Nach einer kleinen Stärkung im wahnsinnig günstigen Schnellimbiss nebenan, versammeln wir uns zu Bier und Kartenspielen auf der Dachterrasse unseres Hotels und lassen den Abend mit guten Sprüchen und viel Gelächter ausklingen.

Zum Spruch des Tages, welcher heute mehrmals zur Erheiterung beitrug, wurde gekürt: „Das ist hier kein Pussy-Trip!“

Nach dem spannenden Tag sitzen wir nun gemütlich im Hotel in Kairo!

















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